Meine Schritte zu einem nachhaltigen Kleiderschrank

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Wenn mir vor drei Jahren jemand gesagt hätte, dass ich heute nicht mehr regelmäßig und ausgiebig shoppen gehe, hätte ich diese Person für komplett verrückt gehalten. Zu gern deckte ich mich bei Shopping-Trips nach London oder Paris mit neuen Hinguckern und Klamotten für’s Büro ein – von Marken, die es in Frankfurt nicht zu kaufen gibt. Das war weder Billig-Mode noch High Fashion, sondern irgendwo dazwischen. Gute Verarbeitung und zeitloses Design waren mir dabei wichtig, damit ich die Kleidung lange tragen kann. Fair produziert oder aus umweltfreundlichen Materialien waren die vielen neuen Teile aber auf keinen Fall. Wie auch? Schließlich wusste ich damals weder etwas über die ausbeuterische, zerstörerische Seite der Modeindustrie noch kannte ich Alternativen.

Und heute? Liebe ich immer noch schicke Mode und coole Styles! Aber über die letzten drei Jahre habe ich einen Prozess durchlaufen, der mit dem Film „The True Cost“ begann und mein Shopping-Verhalten bis heute komplett verändert hat. Wie genau ich meinen Kleiderschrank nachhaltiger bekommen habe, erfahrt Ihr weiter unten. Aber eins schon mal vorweg: Wenn ich das als ehemals bekennende Power-Shopperin geschafft habe, könnt Ihr das auch!

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Drei Jahre und drei Schritte zu meinem nachhaltigeren Kleiderschrank

Drei Jahre klingen für einige von Euch vielleicht zu lang, aber für mich galt: Gut Ding will Weile haben. Manche starten mit einem sechs- oder zwölf-monatelangen Shopping-Ban. Hut ab, wenn das jemand durchzieht! Für mich Shopaholic wäre so ein kalter Entzug damals zu radikal gewesen. Es geht auch nicht darum, von jetzt auf gleich alles perfekt zu machen. Wichtig ist, einfach anzufangen und für sich selbst den passenden Weg zu finden. Darum wählte ich als ersten Schritt, meine Shopping-Sucht auf öko-faire Alternativen zu richten. Denn die Ausbeutung und Umweltverschmutzung bei der Herstellung von Mode nicht mehr zu unterstützen, finde ich am allerwichtigsten.

Deswegen stelle ich auf meinem Blog immer wieder schicke Styles mit Kleidung aus verantwortungsvoller Produktion her. Ich möchte damit keineswegs unnötigen Konsum anheizen, sondern zeigen, dass wir konventionell hergestellte Klamotten (das gleiche gilt natürlich auch für Lebensmittel, Kosmetik etc.) gar nicht brauchen. Und ich bin mir sicher: Wer immer häufiger zu nachhaltiger Mode statt zu Fast Fashion greift, wird über kurz oder lang auch automatisch weniger kaufen wollen. So entwickelte es sich jedenfalls bei mir…

Schritt #1 – Weg von Fast Fashion, hin zu Eco-Fair Fashion: Als ich 2016 „The True Cost“ gesehen hatte, stieg ich nach und nach auf faire Öko-Mode um. Das heißt, zu den konventionell hergestellten Klamotten in meinem Kleiderschrank sollten nur noch Fair Fashion Teile hinzukommen. In 2016 war ich dabei noch nicht ganz konsequent, in 2017 kaufte ich nur noch ein einziges Fast Fashion Teil und in 2018 dann gar keins mehr. Mengenmäßig änderte sich aber anfangs nicht viel bei mir. Ich kaufte weiterhin kräftig ein, nur jetzt eben in Öko.

Schritt #2 – Alternativen zu Neukleidung ausprobieren: Auch wenn ich mit meinen Einkäufen ab 2016 ganz fantastische Fair Fashion Labels unterstützte – mit jedem Neuteil werden nun mal neue Ressourcen verbraucht. Dabei gibt es viele verschiedene Arten von nachhaltiger Mode, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte, zum Beispiel Fairnica’s Kleiderkapsel zum Mieten. Wenn’s Euch ähnlich geht, schaut Euch doch auch mal Sarah Lazarovic’s Grafik „Buyerarchy of Needs“ an. Davon inspiriert probierte ich in 2017 erstmals einige (vorher für mich wenig attraktive) Alternativen zu Neukleidung aus, wie Secondhand, Vintage und Kleidertausch.

Schritt #3 – Less is more: Ich shoppte zwar immer bewusster, aber Ende 2017 erschrak ich trotzdem über die Menge an Kleidungsstücken, die seit meiner Umstellung auf Fair Fashion in meinen Kleiderschrank eingezogen waren. In 2018 versuchte ich deshalb zum ersten Mal, die Anzahl der von mir in einem Jahr gekauften Kleidungsstücke drastisch zu reduzieren.

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Less is more: So lief’s mit meinem Shopping-Vorsatz 2018

Falls Ihr meinen Artikel „Mit Vintage ins neue Jahr“ vom Januar 2018 nicht gelesen habt – das hatte ich mir vorgenommen:

Maximal ein neues Kleidungsstück pro Monat in 2018! Diese höchstens zwölf neuen Teile sollen außerdem vorrangig Vintage/Secondhand sein oder komplett aus recycelten Materialien bestehen.

Accessoires, Schuhe, Wäsche etc. schloss ich aus meinem Shopping-Vorsatz für 2018 ganz bewusst aus. Der Grund: Mit mehr als (ich kann’s selbst kaum glauben, wenn ich das jetzt schreibe) vierzig neu gekauften Fair Fashion Teilen in 2017 war ein Jahres-Limit von zwölf Kleidungsstücken für 2018 eine mehr als ambitionierte Angelegenheit für mich.

Und diese Kleidungsstücke zogen letztes Jahr in meinen Kleiderschrank ein:

  • 2 Blazer (beide Vintage)
  • 2 Mäntel (beide Vintage)
  • 1 Kurzarm-Pulli (Vintage)
  • 1 Poncho (neu vom Eco-Fair Fashion Label Ekyog)
  • 6 T-Shirts (alle neu von den Eco-Fair Fashion Labels Hessnatur, Dedicated und 3Freunde/Mit Ecken und Kanten)
  • 1 Culotte (neu vom Fair Fashion Label KOKOworld)

Mit dreizehn Kleidungsstücken habe ich mein Ziel zwar knapp verpasst. Ich bin aber trotzdem super happy mit diesem Ergebnis! Denn damit liege ich weit unter der Anzahl neuer Teile in 2017.

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Was lief rund und wo hat’s gehakt?

Shopping-Limit: Ein Kleidungsstück pro Monat zu kaufen, funktioniert für mich nicht. Mal kaufte ich ein paar Monate lang gar nichts. Wenn ich aber in einen Laden schaute oder es online „klick“ machte, wurden daraus dann gleich drei oder vier Teile auf einen Streich. Um nicht den Überblick zu verlieren und mein Jahres-Limit einzuhalten, schrieb ich ab Juni auf, in welchen Monaten ich welche Teile gekauft hatte und welches Kontingent mir damit noch blieb. Das Wichtigste aber: Ich hielt mich immer öfter von Geschäften und Online Shops fern. Das wirkte sich zum Einen natürlich positiv auf mein Bankkonto aus. Was ich aber noch viel cooler fand: Auf Städtetrips (früher mein liebster Anlass zum Shoppen) hatte ich nun viel mehr Zeit, die Stadt zu genießen anstatt zig Mode-Läden abzuchecken.

Vintage/Secondhand: Von den insgesamt dreizehn gekauften Kleidungsstücken in 2018 fand ich fünf in Vintage Läden. Das klappte also schon mal ganz gut. Allerdings sind solche Käufe echt nicht planbar. Vintage Shopping ist Glückssache und es hilft, ein paar gute Adressen zu kennen. Ich habe in 2018 in den Vintage Läden Jana Blume in Mainz sowie im High Fashion Vintage Store Seconata in Hamburg eingekauft. Mein Versuch, in London feine Vintage Unikate zu finden, ging leider daneben. Denn die zwei besuchten Vintage Stores waren trotz vorheriger Recherche nicht mein Ding. Außerdem hatten meine Begleitung und ich Besseres in London zu tun (siehe oben 🙂 ).

Recycling/Upcyling: Dieser Punkt war schwerer umzusetzen als gedacht. Tatsächlich besteht keins der von mir in 2018 gekauften Kleidungsstücke komplett aus recycelten Materialien. Im Oktober liebäugelte ich zwar mit einer tollen Winterjacke aus recyceltem ‚Ocean Plastic‘ von Ecoalf. Im Endeffekt entschied ich mich aber dagegen, weil meine zwei Winterjacken/-Mäntel noch mindestens ein, zwei Winter durchhalten.

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Was bleibt von 2018 und was kommt neu dazu? Mein Shopping-Vorsatz für 2019

Genau darum geht’s mir in diesem Jahr: Der Lust auf neue Kleidung zu widerstehen, wenn ich das Teil nicht wirklich brauche. Okay, das klappt vielleicht nicht immer und ist dann halt so. Aber ich habe gelernt, dass es eine Frage der Gewohnheit ist, einem „Will-Haben-Flash“ zu widerstehen. Und nach dem „Training“ im letzten Jahr ist das für mich kein großes Ding mehr.

Die Zahl Zwölf ist jetzt meine „magic number“ und bleibt deshalb auch in 2019. In diesem Jahr werde ich meinen Vorsatz aber noch weiter verschärfen. Denn ich möchte insgesamt maximal zwölf neue Teile in meinen Schrank einziehen lassen – also inklusive Schmuck, Taschen, Schuhe oder Wäsche. Ob’s klappt? Keine Ahnung. Aber bisher läuft das Jahr gut an: Der Februar ist so gut wie rum und ich habe noch nichts gekauft. Auch Vintage/Secondhand sowie Recycling/Upcycling sollen weiterhin eine Rolle bei meinen Kaufentscheidungen spielen.

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Less is more: Diese Fragen helfen weniger zu shoppen

Ich mache also in 2019 so weiter wie im letzten Jahr, nur dass ich insgesamt noch weniger shoppen möchte. Anstatt mehrere Teile der gleichen Kategorie (auch wenn sie alle toll sind – brauchte ich wirklich sechs neue T-Shirts im letzten Jahr?) anzuschaffen, möchte ich jetzt noch genauer überlegen, bevor ich mich für ein neues Teil entscheide!

  1. Brauche ich das Kleidungsstück wirklich? Oder bin ich vielleicht einfach nur in Kauflaune?
  2. Kann ich das Kleidungsstück mit den in meinem Kleiderschrank vorhandenen Teilen kombinieren? Wieviele verschiedene Kombinationsmöglichkeiten fallen mir spontan ein?
  3. Entspricht das Kleidungsstück einem kurzfristigen Trend? Oder wird es über mehrere Jahre meinen Modegeschmack treffen?
  4. Fühle ich mich in dem Teil rundherum wohl und möchte es am liebsten gleich anbehalten? Steht mir die Farbe und schmeichelt mir der Schnitt?
  5. (… und für mich mittlerweile Grundvoraussetzung!) Besteht das Kleidungsstück aus nachhaltigen Materialien und wurde es unter fairen Bedingungen produziert? Oder ist es gebraucht, sodass keine neuen Ressourcen dafür verwendet wurden?

In diesem Sinne:

Buy less, choose well, make it last.

Vivienne Westwood

Mich interessiert total, wie es bei Euch aussieht: Wie nachhaltig ist Euer Kleiderschrank? Gibt es etwas, was Euch besonders leicht oder auch besonders schwer fällt? Und wie findet Ihr die Fragen, um bewusster zu shoppen?

Alles Liebe, Mary

Fotos: Mary Schmidt

Mary

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