Let’s talk eco … mit MARIA SEIFERT

Wie modern nachhaltige Mode sein kann, beweist die Designerin Maria Seifert seit Jahren souverän mit ihrem gleichnamigen Fair Fashion Label. In unserem Interview äußert sich die Gründerin ganz offen über die Selbstverständlichkeit fairer Produktionsbedingungen, die Vor- und Nachteile des Standorts Leipzig für kleine nachhaltige Marken — und zur Entwicklung der Green Fashion Szene.

 

Maria, Du lebst und arbeitest in Leipzig. Laut einer Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts steht Leipzig auf Platz 2 der Städte in Deutschland mit den größten Zukunfts-Chancen. Schätzt Du das ähnlich ein?

M A R I A   S E I F E R T   Ja, definitiv schätze ich das auch so ein. Ich habe mich aus privaten Gründen für diesen Standort entschieden. Ich wollte entschleunigen. Nach 13 Jahren Berlin wollte ich mich verändern. Beruflich hat es sich für mich auf jeden Fall gelohnt. Ich habe mir hier binnen 3 Jahren ein großes Netzwerk erarbeitet — und es wächst weiter.

Das bedeutet nicht, dass alles perfekt ist. Auch wenn Leipzig an Platz 2 ist, muss ich mir sehr viel Mühe geben, als Marke am Standort war genommen zu werden. Manchmal stehen mir die Türen offen manchmal nicht. Ich denke, was Leipzig gut tun würde wäre mehr Offenheit. Wichtig wäre außerdem die Förderung von Talenten — gerade aus dem Modesegment — denn modisch muss Leipzig noch aufholen. Die Innenstadt ist wunderschön, fatalerweise aber voller großer Player. Es entstehen kleine Läden, leider zu wenige. Es gibt wenig Entgegenkommen bezüglich einer moderaten Miete, um nachhaltig den kreativen Einzelhandel zu festigen. In manchen Kreisen herrscht sehr viel Vetternwirtschaft, das ist überhaupt nicht gut.

Aus logistischen Gründen für meine Arbeit ist Leipzig top. Wir liegen sehr zentral, das wirkt sich auf Vertriebstouren enorm positiv aus.

 

Gibt es in Leipzig eine nachhaltige Fashion Szene?

M A R I A   S E I F E R T   Von einer richtigen nachhaltigen Fashion Szene würde ich nicht sprechen. Wir haben jedoch immer mehr Zuwachs an Marken die aus besagtem Segment kommen und auch nachhaltige Läden, die sich ansiedeln. Leider mündet es nicht in eine Szene mit Netzwerkcharakter — also Netzwerkarbeit. Jeder kocht sein Süppchen recht isoliert vom Anderen. Zum Glück ändert sich das für mich gerade, da ich in Zukunft verstärkt mit einigen Kollegen zusammen arbeiten werde.

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Foto: Susann Jehnichen 

 

Du hast nach Deinem Studium Erfahrungen in der konventionellen Fashion Szene gesammelt. Wie unterscheiden sich nachhaltige und konventionelle Modebranche?

M A R I A   S E I F E R T   Der große Unterschied liegt ganz klar im Produkt. Wie man es entwickelt, wie man es produzieren lässt — und wo. Dann sprechen beide Szenen eine völlig andere Sprache. In der konventionellen Modeszene ist die Kommunikationsebene unverbindlich und oberflächlich, basierend auf dem Nutzen des anderen. In der nachhaltigen Modeszene ist das etwas differenzierter, aber auch hier gibt es Menschen, die nachhaltige Mode machen und zu meinem Ärger eine recht konventionelle Herangehensweise haben.

Es fehlt der grünen Szene an einer anarchistischen Grundhaltung und oft an einem sozial wirtschaftlichen Miteinander. In meinen Augen versucht sich oder entwickelt sich die Green Fashion Szene mehr und mehr in die Richtung der konventionellen Modebranche. Es gibt ein paar Perlen, aber nicht viele. Das macht mich sehr traurig!

 

„Es fehlt der grünen Szene an einer anarchistischen Grundhaltung.“

M A R I A   S E I F E R T

 

Neben eleganten zeitlosen Stücken wie Deiner Neuinterpretation des kleinen Schwarzen hast Du auch eine Upcycling Kollektion am Start. Kannst Du uns diese bitte näher beschreiben?

M A R I A   S E I F E R T   Ja klar: Wir nehmen Saris aus Indien und machen daraus neue Kleidungsstücke. In Indien sind Saris heilig und werden eigentlich nicht entsorgt. Ich kooperiere hier mit KALAKOSH, sie beliefern mich mit bereits getragenen Saris. Wir reinigen diese und lassen sie lokal zu neuen Kleidern, Hosen und Jacken verarbeiten. Mehr ist es eigentlich nicht. Aus Alt macht Neu.

Wir haben zudem weitere Upcycling Teile und Ansätze in der Kollektion. So werden alle Kleidungsstücke mit Futter aus Viskosefutter gefertigt, die wir in Hamburg einkaufen bei einem Zwischenhändler, der diese Futterstoffe als Restbestände aufkauft bevor sie entsorgt werden. Ich garantiere als Marke nicht, dass jede Jacke das gleiche Futter hat. Ich schone aber die Umwelt und schenke meinen Kundinnen wieder Einzigartigkeit. Generell bin ich dem Thema Upcycling sehr zugewandt und immer auf der Suche nach noch mehr Möglichkeiten, Materialien und Kooperationspartnern.

 

Welche Stücke sind die Highlights der aktuellen Spring Summer Kollektion?

M A R I A   S E I F E R T   Der Wickelrock ‚Tanja’ und das Oberteil ‚Romy’ – beide sind im Erzgebirge hergestellt. Damit hat sich das Netzwerk an Produktionsstätten neben Sachsen Anhalt um einen weiteren Standort innerhalb Deutschlands erweitert. Finde ich mega, da wir ja – wie bereits erwähnt – das hiesige Handwerk unterstützen möchten.

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Foto: Jennifer Sanchez // Retouche: Daniel Stirnberg

 

Abgesehen von nachhaltigen Aspekten, wie der Verwendung GOTS zertifizierter Stoffe, sind auch faire Produktion und die persönliche Betreuung der Produktionsbetriebe wichtige Themen bei MARIA SEIFERT. Wie stellst Du faire Bedingungen bei der Fertigung sicher?

M A R I A   S E I F E R T   Ich kenne alle meine Produktionsbetriebe persönlich. Gut, die neue Produktion im Erzgebirge habe ich kurzfristig erschlossen — mein Besuch dort steht also noch aus. Wir haben jedoch intensiven telefonischen Kontakt.

Ich arbeite hauptsächlich mit dem hiesigen Handwerk, da stellt sich die Frage weniger ob es faire Arbeitsbedingungen gibt. Es ist ganz einfach so: Ich kommuniziere mit meinen Betrieben. Preise werden in gegenseitigem Respekt und Verständnis besprochen. Wenn ich zuverlässig bin, sind es auch meine Produktionsbetriebe. Ich habe mir in den letzten 4 Jahren viel aufgebaut und hüte diesen Schatz. Das ist der Grundpfeiler für alles.

Diese Frage ist für mich immer etwas befremdlich. Viele erzählen dazu wer weiß wie viel. Ich habe nie anders angefangen zu arbeiten. Eine transparente, direkte und offene Kommunikation ist für mich Grundvoraussetzung. Ich achte meine Mitmenschen und sie mich. Meine Stofflieferanten machen keinen Unterschied zwischen Großkunden und kleinen Kunden. Mit anderen arbeite ich nicht zusammen.

Bei Stofflieferanten, die zertifiziert sind, prüfe ich jedes Jahr die Zertifizierung, die Materialien, etc. — aber das zählt für mich zur Fleißarbeit. Viel wichtiger sind mir andere Themen …

 

Nachhaltigkeit geht bei MARIA SEIFERT über das fertige Kleidungsstück hinaus: Zum Konzept gehört auch der Leitsatz ’Recyle to save our nature’. Was verbirgt sich dahinter?

M A R I A   S E I F E R T   Anfangs haben ich gezielt Stoffreste zu Papier recyceln lassen. Das ist allerdings einfach zu teuer um es dauerhaft zu etablieren. Ich überlege mir dafür gerade eine andere Möglichkeit. Mal sehen, was sich daraus entwickelt. Ansonsten mache ich mir wirklich die Mühe, Stoffreste zu sammeln, die noch zu gebrauchen sind — und diese an Schulen, Kreative sowie kreative Einrichtungen zu verteilen.

Upcycling und Recycling greifen ineinander: Das nennt man zirkulare Produktionskette. Ich verwende viel wieder und werfe wenig weg. Besonderes Interesse habe ich an Stoffen die durch recycelte Fasern hergestellt sind. Es ist leider nicht leicht, davon kontinuierlich kleine Mengen zu bekommen. Aber ich bin dran.

 

Gibt es noch etwas, das Du unseren Lesern sagen möchtest?

„Widmet Euch bitte der nachhaltigen Mode. Widmet Euch bitte nicht nur den großen nachhaltigen Marken, schaut Euch auch die Kleinen an und gebt uns eine Chance. Wir brauchen dringend Vielfalt!“

M A R I A   S E I F E R T

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M A R I A   S E I F E R T
Die diplomierte Modedesignerin lebte lange in Berlin, bevor sie 2014 in ihre Heimatstadt Leipzig zurückkehrte. In ihrem Atelier kreiert und fertigt sie puristische nachhaltige Mode und Upcycling Fashion. Neben dem Job verbringt sie die Zeit mit ihrer Tochter, Freunden, Sport — oder einfach damit, Spaß am Leben zu haben.
Foto: Benjamin Pohle

 

Fotos: Susann Jehnichen  //  Jennifer Sanchez

Retusche: Daniel Stirnberg

Portrait: Benjamin Pohle

Location: golden Neukölln

 

Rosi

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