Let’s talk eco… mit Maren von MAINSEAM

Mit MAINSEAM hat Maren 2014 ihr eigenes Upcycling Fashion Label gegründet. Dafür fertigt sie aus gebrauchten, nicht mehr gewollten Kleidungsstücken neue, hochwertige Mode. Im Interview gibt sie Einblicke in den kreativen Upcycling-Prozess, erzählt wo sie die Materialien dafür herbekommt und wie ihre Kunden ticken.

Liebe Maren, Du bist von Beruf Grafikdesignerin. Wie kamst Du dazu, ein Upcycling Fashion Label zu gründen?

M A R E N   Bis ich im April 2014 meinen Laden in Mainz eröffnet habe, war ich in Vollzeit als Grafikdesignerin tätig. Ich war glücklich in meinem Job, aber trotzdem hat etwas gefehlt: mein eigenes Mode-Projekt. Denn bereits als Kind wollte ich Modedesignerin werden und auch im Studium waren meine Projekte modelastig. Mode war schon immer der rote Faden in meinem Leben. Also dachte ich: Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich legte meine Arbeit als Grafikdesignerin für eine Zeit auf Eis, gründete MAINSEAM und eröffnete meinen Laden in Mainz. Mittlerweile habe ich zwar keinen Laden mehr, aber die Basis für mein Label ist gesetzt. Momentan widme ich MAINSEAM circa 20% meiner Arbeitszeit, das soll aber naher Zukunft wieder mehr werden.

Was ist für dich das Besondere an Upcycling Fashion?

M A R E N   Ich finde es toll, mit den Händen zu arbeiten. Und aus Altkleidern etwas schönes Neues zu erschaffen, ist für mich ein echter Kick. Die Kleidung, die ich als Ausgangsmaterial nutze, kommt schon mit einem Charakter hier an – weil sie getragen, gewaschen und geliebt wurde. Da kommt ein ganzer Schwung an Inspiration mit. Für mich ist es wie Malen mit Stoffen. Ich nähe nicht der Mode wegen, sondern wegen dem kreativen Prozess dahinter und der damit verbundenen Vielfalt. Es ist toll, dass das Interesse an Upcycling Fashion in der Bevölkerung steigt. Meiner Meinung nach ist es noch ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem nachhaltige Mode leichter Gehör findet.

Upycling Fashion von Mainseam

Wo bekommst du die Materialien für deine Upcycling Kleidungsstücke her?

M A R E N   Vom Flohmarkt und von Spenden. Viele Leute aus dem Umkreis bringen mir ihre nicht mehr getragene Kleidung vorbei. Wenn ich allerdings eine spezielle Designidee im Kopf habe, dann gehe ich auf Flohmärkte und suche mir da gezielt die Materialien in den gewünschten Farben oder Materialien zusammen.

Mit welchen Materialien arbeitest du besonders gern?

M A R E N   Ich mag besonders Jeans und alte Wollpullis. Ich kreiere aber auch viel aus alten Baumwoll- oder Leinenhemden. Außerdem nutze ich neu gekaufte Bio-Baumwolle für Ärmelteile. Der Grund dafür ist, dass oftmals die mir gespendeten Langarm-Shirts aus Baumwoll-Jersey bestehen. Der lässt sich aber nicht gut upcyceln. Deshalb ist es besser, gleich mit Bio-Baumwolle zu arbeiten.

Stellst du alle Kleidungsstücke für MAINSEAM selbst her? Wie lange brauchst du dafür?

M A R E N   Ich stelle alles selbst her und jedes Teil ist ein Unikat. Shirts und Röcke gehen relativ schnell. Ein Basic-Shirt, zum Beispiel, schaffe ich in zwei Stunden. Für Mäntel, Jacken und Kleider brauche ich aber über eine Woche. Denn das Zuschneiden dafür ist sehr aufwändig. Wenn ich ein Schnittteil habe, muss ich genau schauen, welche Stoffreste da rein passen. Und auch farblich muss es natürlich stimmig sein. Das ist wie ein großes Puzzle.

Deine Kollektionsteile tragen, wie ich finde, eine eindeutige Handschrift. Welche Inspiration steckt dahinter?

M A R E N   Tatsächlich versuche ich mit jeder meiner Kollektionen einen unverwechselbaren Wiedererkennungswert zu schaffen. Meine letzte Kollektion habe ich „Crystals“ genannt. Es bietet sich an, das Segmentieren der Schnitte als Stilmerkmal einzubringen. Und das ist auch kollektionsübergreifend zu erkennen.

Welche Kunden möchtest du mit deiner Mode ansprechen?

M A R E N   Ich bin der Meinung, meine Sachen suchen sich ihre Besitzer. Ich habe Kundinnen und Kunden aus jeder Altersgruppe. Das sind hauptsächlich Menschen, die Wert auf Nachhaltigkeit legen. Aber einige kommen auch über den Designaspekt zu MAINSEAM. Ich fertige übrigens auch Teile auf Kundenwunsch an. Denn meine Kollektionen sind eher als Muster zu sehen. Andere Farbkombinationen und leichte Anpassungen des Schnitts sind bei allen Teilen möglich, wenn es gewünscht wird. Alle meine Kunden spricht an, dass sie bei mir nichts von der Stange bekommen, sondern immer ein ganz individuelles Kleidungsstück.

Wie oft entwickelst du neue Designs?

M A R E N   Einmal im Jahr erstelle ich eine größere Kollektion. Daneben entwickle ich übers Jahr meist noch drei bis vier Teile zusätzlich. Immer dabei sind verschiedene kurz- und langärmelige Shirts, Pullis und Röcke sowie ein Design für Kleider und Mäntel in unterschiedlichen Variationen. Hosen sind nicht in jeder Kollektion enthalten. Denn sie sind sehr aufwändig, vor allem in verschiedenen Größen.

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Hast du vielleicht auch ein aktuelles Lieblingsstück?

M A R E N   Ja, mein momentanes Lieblingsteil ist das Knotenkleid „Kosy“. Es ist aus meiner neuen Kollektion, die ich bald online stelle. Das Design dafür habe ich ganz neu entwickelt. Ich arbeite viel mit Bindetechniken, wie auch bei diesem Kleid, um mehrere Größen mit einem Teil bedienen zu können. Außerdem finde ich die Culotte sehr schön, die ich auch zum ersten Mal in meiner Kollektion anbiete.

Kannst du dir vorstellen, in Zukunft neben Upcycling Fashion auch Öko-Mode aus ungebrauchten Materialien herzustellen?

M A R E N   Ich habe schon ein paar Teile hergestellt, die komplett aus neuer Bio-Baumwolle bestanden. Das mache ich immer mal wieder, wenn ich eine spezielle Idee habe, die ich unbedingt umsetzen möchte, dafür aber keine alten Stoffe zur Verfügung habe. Das sind dann meist grafische Sachen, wie Colour Blocking oder Stickereien. Auch wenn Upcycling Fashion meine große Leidenschaft ist, kann ich mir vorstellen, zukünftig noch mehr in diese Richtung zu gehen.

Apropos „öko“, wie nachhaltig lebst du?

M A R E N   Nachhaltigkeit ist mir nicht nur bei meiner Mode, sondern auch im Alltag sehr wichtig. Seit sieben Jahren ernähre ich mich vegan. Außerdem verwende ich nur vegane Naturkosmetik. Wenn ich etwas brauche, kaufe ich meistens auf Flöhmärkten ein. Besonders bei Lederwaren achte ich darauf, denn als Veganerin möchte ich nur gebrauchtes Leder verwenden. Auch bei meiner Einrichtung setze ich meistens auf Vintage Möbel vom Flohmarkt.

Bearb Maren_Schmitt
Maren Schmitt
Die Grafik- und Modedesignerin lebt und arbeitet in ihrer Heimatstadt Heppenheim. Das Atelier für MAINSEAM befindet sich in einer restaurierten Scheune auf dem Hof ihres Elternhauses. Dort designt sie individuelle Upcycyling Kleidung. Ihre Freizeit verbringt Maren gern mit ihrem Freund oder mit Tanzen und Kampfsport, Malen und Illustrieren.
Mary