„Zu polarisieren ist Teil unserer Mission“ Introducing: Hund Hund

Mit ihrem Konzept der ‚Radikalen Transparenz‘ haben sie ein Tabu gebrochen: Isabel Kücke und Rohan Michael Hoole, Gründer des Berliner Fair Fashion Labels Hund Hund, legen Kalkulation und Kosten jedes ihrer Kollektionsteile offen. Auch Infos zu Materialien und Produktion sind für jeden online einsehbar. Nicht nur diese konsequente Transparenz macht Hund Hund besonders — die puristischen Designs überzeugen ebenfalls auf ganzer Linie. Wie sich die Marke künftig weiterentwickeln will und wie wichtig dabei das Feedback der Kunden ist, verraten uns die Macher von Hund Hund im Interview.

 

Im chinesischen Kulturkreis ist 2018 das Jahr des Hundes. Was wünscht Ihr Euch für Hund Hund in den nächsten 12 Monaten?

R O H A N    Wir sehen das natürlich als gutes Karma für die kommenden Monate! Wir wachsen derzeit mit unserem Label und wünschen uns für die nächsten Monate, dass das weiterhin möglich sein wird, dass wir mit unseren Kollektionen den Geschmack unserer Kunden treffen, unsere Kundschaft ausbauen können und noch mehr Menschen mit unserer Botschaft und Mode erreichen.

fair_fashion_blog_greenlooksgreat_ethical_fashion_sustainability_empowerment_hundhund_h_05Welche Käufergruppe schätzt Eure Kreationen besonders?

I S A B E L    Unsere Kunden sind kreativ und leben häufig im urbanen Raum. Sie wechseln oft fließend zwischen ihrem Arbeitsalltag und der Freizeit, daher muss Kleidung ihnen jederzeit eine gute Basis für alle beruflichen und privaten Aktivitäten bieten. Sie darf sie in ihrer Tätigkeit nicht behindern und sollte nicht zu aufwändig zu stylen sein, sondern sie einfach gut aussehen lassen. Mit Hund Hund designen wir tragbare Basics mit einem Twist — eine besondere Qualität, ein raffiniertes Detail, eine herausragende Schnittführung. Unsere Kollektionen bauen aufeinander auf und ergänzen die Garderobe unserer Kunden um Teile, die sie lange lieben und begleiten werden. Unsere Kunden schätzen das, wollen an der Diskussion um einen bewussten Umgang mit Mode mitgestalten und geben uns viel Feedback.

Ihr seid noch ein relativ junges Label: Was hat sich seit dem Start für Euch verändert?

R O H A N    Eine der größten Herausforderungen aber auch Chancen liegt darin, dass wir nicht nur gemeinsam Hund Hund leiten, sondern auch privat ein Paar sind. Die Offenheit und Nähe als Paar ermöglicht es uns tief in den Gestaltungsprozess und die Philosophie unseres Labels zu gehen, gleichzeitig nehmen wir den Job natürlich auch immer mit und finden auch in der gemeinsamen Freizeit Inspiration und neue Denkanstöße. Hund Hund nimmt sehr viel Raum ein, aber das ist es für uns auf jeden Fall wert. Ich denke, dass es uns im Vergleich zum Anfang besser gelingt, für Auszeiten zu sorgen.

fair_fashion_blog_greenlooksgreat_ethical_fashion_sustainability_empowerment_hundhund_h_06Wie positionieren sich konventionelle Modeproduzenten zu Eurem Konzept der Radikalen Transparenz?

R O H A N    Gerade am Anfang gab es teils heftige Kritik — was nur bestätigt hat, dass wir einen Nerv getroffen haben. Für uns sind die Kommunikation mit dem Kunden und seine Bedürfnisse essentiell, um Hund Hund voranzubringen und zu der Marke zu machen, die gerne getragen wird. Daher sind die direkten Reaktionen und die Unterstützung unserer Kunden wesentlicher Bestandteil für uns. Zu polarisieren ist für uns ein Teil unserer Mission, mit der wir ein neues Bewusstsein für die Prozesse in der Modebranche schaffen wollen.

„Zu polarisieren ist Teil unserer Mission, mit der wir ein neues Bewusstsein für die Prozesse in der Modebranche schaffen wollen.“

R O H A N   M I C H A E L   H O O L E

 

Für Eure Kollektionen verwendet Ihr größtenteils textile Restbestände. Schränkt das beim Designprozess ein — oder macht es kreativer?

I S A B E L    Ich denke beide Elemente sind gegeben, zum einen schränkt die Vorauswahl ein, vor allem wenn man ein bestimmtes Muster im Kopf hatte — zum anderen können wir durch diese Option aber eine Qualität bieten, die durch andere Stoffe nicht gegeben wäre. Wir tragen außerdem dazu bei, die Verschwendung von textilen Restbeständen zu verringern. Grundsätzlich lassen wir uns nicht einschränken — wenn kein Stoff nach unseren Vorstellungen im Restbestand verfügbar ist, versuchen wir alles, um einen Fabrikanten zu finden, der zu unseren Ansprüchen passt.

Aktuell könnt Ihr noch nicht 100% nachhaltig produzieren — ist das richtig? Welche Schritte unternehmt Ihr, um nachhaltiger zu werden?

R O H A N    Das ist korrekt. Für uns ist der Weg zu Nachhaltigkeit ein Prozess, den wir auch gemeinsam mit unseren Kunden gehen, deren Feedback sehr wichtig für uns ist. Fairness zieht sich für uns durch alle Bereiche unserer Arbeit, es betrifft die Schneider, die unsere Kleidung fertigen und die fair und sicher bezahlt werden sollen, über die Herstellung der Materialien und einen verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen dabei, bis hin zum Versand unserer Kleidung.

fair_fashion_blog_greenlooksgreat_ethical_fashion_sustainability_empowerment_hundhund_h_07Fair Fashion Labels stehen häufig vor einem Dilemma: Einerseits propagieren sie bewussten Konsum, somit Verzicht auf übermäßiges Shopping — andererseits leben sie davon Produkte zu verkaufen. Wie geht Ihr mit diesem Zwiespalt um?

I S A B E L    Wir denken, dass der Schlüssel eben gerade in diesem Bewusstsein steckt: der Auseinandersetzung mit der Wertschöpfungskette eines Produkts und der Wertschätzung aller beteiligten Personen. Unsere Produkte sind langlebig und funktional, trotzdem kaufen viele Kunden in jeder Saison ein, zwei Teile dazu, eben weil sie die Qualität überzeugt. Gleichzeitig nehmen sie Abstand von Billigproduzenten und kaufen insgesamt weniger — so geht die Rechnung am Ende für alle auf.

„Der Schlüssel steckt in der Auseinandersetzung mit der Wertschöpfungskette eines Produkts und der Wertschätzung aller beteiligten Personen.“

I S A B E L   K Ü C K E

 

Was ist Eure Zukunfts-Vision: Wie soll sich Hund Hund weiter entwickeln?

R O H A N    Unser nächster greifbarer Traum ist die Eröffnung eines Office / Fitting Room-Konzepts in Berlin. Im Laufe des Jahres möchten wir einige Pop Ups in anderen deutschen Städten eröffnen — vielleicht auch in Amsterdam oder Paris. Wir stehen in so engem Austausch mit unseren Käufern, da macht eine physische Präsenz nur Sinn. Mode ist ein Gesamtkonzept, das von der taktilen Erfahrung lebt und gerade bei einem simplen weißen T-Shirt gibt es einen großen Aha-Effekt, wenn man die Qualität unserer Materialien spürt und vor Ort testen kann. Wir möchten mit Hund Hund noch nahbarer werden und die Community, die wir aufbauen, zusammenbringen.

Gibt es noch etwas, das Ihr unseren Lesern abschließend sagen möchtet?

I S A B E L    2018 ist ein besonderes Jahr für uns, denn wir werden einen Welpen in die Hund Hund-Familie aufnehmen und eine neue Fläche beziehen, in der unsere Kunden uns auf Anfrage für Fittings und Einkauf besuchen können und wo wir hoffentlich viele spannende Events veranstalten werden. Die ersten beiden Jahre hatten wir keinen richtigen Ort und waren damit eine virtuelle Brand. Es ist sehr aufregend, jetzt in der Lage zu sein, in die „echte Welt“ zu treten und einen Ort zu haben, an dem unsere Kunden unsere Kollektion anfassen und anprobieren können.

 

Gründer-Isabel-Kücke-und-Rohan-Michael-Hoole_k
I S A B E L   K Ü C K E   /   R O H A N   M I C H A E L   H O O L E
Die deutsche Modedesignerin und der australische Filmemacher lernten sich in Indien kennen, wo beide gerade beruflich zu tun hatten. Seitdem sind sie Partner: privat und als Gründer des Fair Fashion Brands Hund Hund. Der Name verspricht übrigens nicht zu viel — neben Women, Man und Unisex Pieces bietet das Label auch eine kleine Kollektion von Hunde-Accessoires an.

 

Falls Ihr noch mehr über Hund Hund erfahren möchtet, empfehle ich Euch dieses super lesenswerte ausführliche Interview von Mirjam auf my-greenstyle.com

Die gezeigten Styles stammen aus der gerade gelaunchten Spring / Summer Kollektion 2018.

Fotos: Lucas Christiansen  //  Portrait-Aufnahme: Hund Hund

 

 

 

Rosi

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