Fashion Revolution Week 2017: Ein Rückblick auf unsere Aktionen

Fashion Revolution Org. wurde 2013 nach dem verheerenden Einsturz des Rana Plaza Gebäudes in Bangladesh ins Leben gerufen. Die globale Initiative setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Textilindustrie ein. Seit 2014 findet die Fashion Revolution Week jedes Jahr um den 24. April herum statt, dem Jahrestag des Rana Plaza Unglücks.

Wie haben wir uns beteiligt und was haben wir damit erreicht?

In unserem Beitrag Fashion Revolution Week: Vier Dinge, die jeder von uns tun kann. haben wir erklärt, wie wir uns in diesem Jahr zum ersten Mal an der Fashion Revolution Week beteiligen wollten. Und jetzt – einen Monat danach – zeigen wir mit einem Rückblick auf unsere Aktionen, was wir tatsächlich umgesetzt und erreicht haben.

FashRev Aktion #1: Labels fotografieren und Foto teilen

In der FashRev Woche haben wir insgesamt zwölf #insideout Fotos auf Instagram, Facebook, Twitter und Pinterest geteilt. Denn die Kampagne funktioniert so: Fotos von auf links getragenen Kleidungsstücken mit gut lesbarem Etikett des Labels auf Social Media Kanälen teilen und die Modehersteller #whomademyclothes fragen.

Die zehn von uns kontaktierten konventionellen Modehersteller waren: & Other Stories, Comma, Custo Barcelona, Kookai, Laurèl, Michael Kors, Naketano, The Kooples, Zalando und Zero. Außerdem haben wir unsere Frage auch an zwei Fair Fashion Labels gerichtet: Armedangels und Wunderwerk.greenlooksgreat_fashrevweek2017_whomademyclothesÜber unsere Social Media Kanäle haben wir von allen Modeunternehmen leider nur eine einzige Reaktion bekommen! Das Fair Fashion Label Armedangels hat sich einige Tage nach Ende der FashRev Week über Twitter bei uns gemeldet – mit dem Hinweis zu ihrer Website. Dort stellt das Unternehmen unter „Nothing To Hide“ auf charmante Art mehrere Mitarbeiter von Armedangels Partnern vor – zum Beispiel Bhimabhai, einen Baumwollbauern aus Indien, und Filiz, eine türkische Schnittmeisterin.

Trotz der insgesamt enttäuschend geringen Antwortquote der Modehersteller haben wir über Social Media viel Aufmerksamkeit für das wichtige Thema #whomademyclothes erreicht. Vier unserer Fotos wurden von FashRev Germany auf Instagram geteilt und auf unseren Social Media Accounts bekamen unsere Fotos zusammen über 700 Likes.

FashRev Aktion #2: Firmen anschreiben

Wir haben insgesamt sieben Hersteller von konventioneller Mode angeschrieben und sie per Email gebeten, uns mehr über die Produktion unserer Kleidungsstücke mitzuteilen. Die Fashion Labels waren: & Other Stories, Banana Republic, Emily van den Bergh, Hemisphere, LK Bennett, Michael Kors und Naketano.

Noch am gleichen Tag geantwortet haben & Other Stories, eine Marke der H&M Gruppe, sowie Banana Republic, eine Marke von GAP. Beide Unternehmen verwiesen in ihrer Antwort kurz und bündig auf ihre Corporate Websites. Dort kann sich jeder unter „Sustainability“ einen mehr oder weniger detaillierten Überblick über die verschiedenen Maßnahmen der beiden Unternehmen hin zu sozial- und umweltverträglicheren Produktionsbedingungen sowie den damit verbundenen Zielen aber auch den vielen Hürden verschaffen.

Positiv ist auf jeden Fall, dass die beiden riesigen Modekonzerne auf unsere Anfragen reagiert und Transparenz auf der Agena haben. Unsere Erfahrung deckt sich damit in gewisser Weise mit den Ergebnissen des Fashion Transparency Index 2017, bei dem H&M sowie GAP unter den acht Unternehmen (von 100) mit den höchsten erreichten Transparency Scores von „41-50 %“ gelistet sind.

(…) The Fashion Transparency Index uses a ratings methodology to benchmark brands‘ disclosure across five key areas, including: policy and commitments, governance, traceability, supplier assessment and remediation, and ’spotlight issues‘ covering the business model, living wages, unions and collective bargaining. We have awarded points only for information that has been publicly disclosed. (…) The Fashion Transparency Index does not tell you what brands are good or bad, naughty or nice, nor decent or exploitative. Unfortunately, we don’t think a simple answer to this dichotomy exists. (…) © Fashion Revolution CIC 2017

Naketano ist nicht im Fashion Transparency Index 2017 gelistet, dafür ist das deutsche Mode Label aus Essen zu klein. Auf unsere Anfrage per Email kam zwar schnell eine Antwort, die aber nicht konkret auf #whomademyclothes einging. Nach mehrmaligen Nachhaken erfuhren wir von Naketano, dass unter fairen Bedingungen in China und in der Türkei produziert wird. „In den Fabriken werden keine Kinder beschäftigt und alle Mitarbeiter sind krankenversichert, etc. Es handelt sich um kleine, familiäre Betriebe. Keine Sweatshops, die für viele Marken produzieren. Wir sind in engem Kontakt mit den Fabriken und legen großen Wert darauf, dass unsere Werte dort gegenüber den Arbeitern vertreten werden.“ Die faire Behandlung der lokalen Mitarbeiter wird laut dem Unternehmen durch regelmäßige Besuche kontrolliert. Ein weiterer Pluspunkt: alle „Produkte sind 100% tierfrei – No silk, No wool, No leather, No downs, No fur“.

Von den vier weiteren per Email kontaktierten Modeunternehmen haben wir keine Antwort erhalten.

FashRev Aktion #3: Filme und Dokumentationen anschauen

Während der Fashion Revolution Week haben wir den Film „The True Cost“ angeschaut – mit Freunden, die den Film noch nicht kannten. „The True Cost“ ist gewissermaßen DIE Must-See-Doku zum Thema Fast Fashion. Denn sie gibt einen umfassenden Einblick in die vielschichtigen Probleme bei der Herstellung von schnelllebiger Mode: von der sklavenhaften Ausbeutung der Näherinnen über die breitflächige Umweltverschmutzung und die damit einhergehenden Gesundheitsrisiken bis hin zu den wachsenden Herausforderungen bei der Entsorgung von Kleidung. Mehr Infos zum Film gibt’s unter The True Cost Movie.

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„The True Cost“ Movie: Bilder mit freundlicher Genehmigung von Untold Creative, LLC., ©2015-2017 – All copyrights reserved.

Wir hatten uns zwar vorgenommen, noch mindestens eine weitere Doku anzuschauen, aber dafür war der Abend dann doch zu kurz. Denn allein „The True Cost“ hat zu einer intensiven Diskussion geführt und ein Umdenken bei unseren Freunden angestoßen. Trotz des schweren Themas kam an diesem Abend aber auch der Genuss nicht zu kurz – dank selbst gemachter vegetarischer Bio Pizza und einem Gläschen Bio Wein…

FashRev Aktion #4: Sich in Kleidung neu verlieben

Die Fashion Revolution Week regt auf jeden Fall an, den eigenen Mode Konsum zu hinterfragen und aktiv zu werden. Weg von Fast Fashion hin zu Slow Fashion. Im Gegensatz zu Fast Fashion ist ein essentieller Ansatz von Slow Fashion, bereits vorhandene Kleidung (wieder) wertzuschätzen und länger zu tragen.

Um den eigenen Kleiderschrank zu entschleunigen, gibt es viele Wege, z.B. Kleidung leihen oder ältere Kleidung aufpeppen. Beides bringt somit auch ohne neu gekaufte Klamotten wieder frischen Wind ins Styling. Wir setzen diesen Ansatz in unseren Outfits immer konsequenter um und teilen die Looks auf unserem Blog. Inspirationen dazu bekommst du zum Beispiel unter Wie Slow Fashion Spaß ins Styling bringt.

Den Vorsatz, selten getragene Teile in unseren Kleiderschränken zu stylischen Outfits zu kombinieren, konnten wir bisher aus zeitlichen Gründen noch nicht in einer Fotostrecke festhalten. Das holen wir auf jeden Fall nach.

Wie geht’s weiter?

Die diesjährige Fashion Revolution Week war die „lauteste“ und damit erfolgreichste Kampagne seit ihrer Entstehung – mit einem neuen Rekord an #whomademyclothes Anfragen und vielen weltweit durchgeführten Aktionen.

Auch wenn die Kampagne offiziell nur eine Woche läuft, das Thema Faire Mode hat ganzjährig Saison. Darum machen wir weiter mit Slow Fashion, unterstützen faire, nachhaltige Labels und planen verschiedene weitere Aktionen, über die wir während der nächsten Monate auf unserem Blog berichten werden. Und eins ist für uns ganz klar: wir sind natürlich auch nächstes Jahr wieder bei der Fashion Revolution Week dabei!

Bis bald, Mary und Rosi

 

 

Mary

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