Ein Poncho der Marke EKYOG und warum ich von einem Ethical Fashion Label mehr Transparenz erwarte

Rosi und ich sind immer auf der Suche nach nachhaltigen Modemarken, am liebsten aus Deutschland und Europa. Das Ergebnis unserer Recherchen und eigenen Erfahrungen findet Ihr übrigens gebündelt in unserem Eco-Fair Fashion Guide. Aus Frankreich ist darin momentan nur die Schuhmarke VEJA vertreten. Und weil ich das ändern wollte, besuchte ich während eines Urlaubs in Nizza im September 2017 zum ersten Mal einen Laden des französischen Ethical Fashion Labels EKYOG. Dort verguckte ich mich auch in diesen mehrfarbigen Poncho.

Die Marke EKYOG: „Ethical Fashion – Look Good – Feel Good – Do Good“

EKYOG wurde 2003 von dem bretonischen Paar Nathalie und Louis-Marie Vautier gegründet, also lange bevor ethische Mode zum zeitgeistigen Trend wurde. Laut der EKYOG Website entstand das Unternehmen aus dem Wunsch heraus, eine Marke für kreative und feminine Mode zu schaffen, die gleichzeitig Mensch und Natur respektiert.

#Look Good: Von zeitlosen Basics über modische Blusen, Röcke und Kleider sowie Accessories bietet die Marke ein ziemlich breites Programm für Frauen. Das Ganze mit dem gewissen Touch von Eleganz und Lässigkeit – French Chic eben. Außerdem gibt es bei EKYOG Schuhe von VEJA und momentan Nagellacke von Kure Bazaar.

#Feel Good: Dafür verwendet EKYOG nachhaltige Materialien wie GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle, Leinen, Lyocell und Modal sowie wiederaufbereitete Baumwollabfälle und recyceltes Polyester. In den Kollektionen kommen zudem auch Kaschmir, Alpaka und Mohair Wolle sowie Seide und pflanzlich gegerbtes Leder zum Einsatz.

#Do Good: Mit der EKYOG Partnerschafts-Charta verpflichtet das Unternehmen seine Lieferanten zu einem fairen und respektvollen Umgang mit Mitarbeitern und der Umwelt. Die Partner sind außerdem aufgefordert, die Rückverfolgbarkeit der Kleidungsstücke zu gewährleisten, inklusive der verwendeten Materialien und Farben.

greenlooksgreat-öko-mode-poncho-blau-grauErst schnelles Wachstum – dann Verkauf

Mit derzeit über 30 Shops in vielen französischen Städten, davon sechs allein in Paris, ist EKYOG die größte französische Kette für faire Öko-Mode. Daher überraschte mich bei unseren Stopps in Lyon und Marseille, dass die EKYOG Läden in diesen beiden Großstädten schon länger dauerhaft geschlossen waren. Die Erklärung dafür fand ich später bei meiner Internet-Recherche heraus: Das Unternehmen wollte über 50 Läden in ganz Frankreich eröffnen, um eine kritische Größe zu erreichen und mit einem hohen Bekanntheitsgrad entsprechende Umsätze einzubringen. EKYOG übernahm sich mit seinem schnellen Expansionskurs und den dafür benötigten Investitionen in Millionenhöhe – bei gleichzeitig schmalen Margen in einem Nischenmarkt. In 2015 verkauften die Gründer EKYOG an einen chinesisch-kanadischen Investor.

greenlooksgreat-ekyog-ethical-fashion-poncho-detail Zu wenig Information führt zu Fragezeichen

Meine Recherchen über die Marke haben mir (mal wieder) gezeigt, wie aufwändig und schwierig es oft für Konsumenten ist, die gut klingenden Markenbotschaften von Modeherstellern zu prüfen. Im EKYOG Online Shop gibt es (teilweise) Informationen in Bezug auf die ökologischen Materialien – jedoch keine Angaben darüber, woher die Materialien stammen und wo die Kleidungsstücke hergestellt werden. Früher veröffentlichten die Gründer einen umfangreichen EKYOG Transparenz-Bericht, heute gibt es auf der Website des Unternehmens keine Informationen zu den Produktionsländern, dem Sourcing der Materialien oder unabhängigen Audits, wie sie früher durchgeführt wurden. Die Website www.terredekyog.org zum 2007 gegründeten Verein „Terre d’Ekyog“, mit dem Solidaritätsprojekte in Indien und Madagaskar in Zusammenarbeit mit lokalen NGOs finanziert wurden, existiert nicht mehr.

Auf meine Email von vor einer Woche – unter anderem mit der Frage #whomademyclothes – hat EKYOG bisher nicht reagiert. Auch sonst fand ich trotz mehrerer Stunden Recherche so gut wie keine aktuellen(!) Details zum „Ethical Fashion“ Claim der Marke, wie zum Beispiel Pressemitteilungen, Interviews oder Nachhaltigkeitsberichte. Gerade von einem Ethical Fashion Label erwarte ich aber, dass es für Konsumenten transparent (und damit meine ich auch mit wenigen Klicks zu finden) aufzeigt, wo und wie das Unternehmen produziert, nach welchen Standards es zertifiziert ist bzw. wodurch genau es sich von konventionellen Herstellern abhebt. Von einem nachhaltigen Unternehmen, das schon so lange im Markt ist und diese Größe erreicht hat, wünsche ich mir besonders viel Transparenz: Positive Beispiele dafür sind Hessnatur und Armedangels. So aber frage ich mich aufgrund der wenigen verfügbaren Informationen, inwieweit die Werte der Gründer nach dem Verkauf von EKYOG in gleichem Maße weiter gelebt werden.

Ich werde noch mal bei EKYOG nachhaken. Einen Platz in unserem Eco-Fair Fashion Guide bekommt die Marke aber erst mal nicht. Schade, denn der Poncho ist wirklich toll: richtig weich, schön warm und durch die verschiedenen Farben ein echtes Kombi-Wunder.

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Fotos: Zum ersten Mal kam bei diesem Shooting Phil zum Einsatz – ein Freund, der privat viel und vielseitig fotografiert. Auf seinem Instagram Account findet Ihr echt coole Fotos von seinen Reisen.

Quellen:

  • https://www.ekyog.com/la-marque/qui-sommes-nous-.html
  • https://www.ekyog.com/la-marque/notre-engagement.html
  • https://www.ekyog.com/la-marque/nos-matieres.html
  • http://www.novethic.fr/actualite/social/sous-traitance/isr-rse/dans-le-textile-ekyog-et-veja-tracent-toute-la-chaine-141952.html
  • https://www.lesechos.fr/22/09/2010/LesEchos/20768-113-ECH_ekyog—la-marque-100—bio-accelere-les-ouvertures.htm
  • https://www.lexpress.fr/styles/mode/ekyog-la-marque-qui-monte_900799.html
  • http://www.carenews.com/fr/news/2438-ekyog-une-marque-100-durable
  • https://fashionunited.fr/actualite/people/ekyog-se-relance-avec-une-nouvelle-directrice-ge-ne-rale/2015111610174
  • http://www.ecocentric.fr/html/mode-bio-ekyog
  • http://latelier-green.com/wp-content/uploads/2016/02/CHARTE_EKYOG.pdf
  • https://www.societe.com/societe/ekyog-809071855.html
Mary

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