Slow Fashion & Slow Journalism

Werbung // freiwillige Markennennung // keine Kooperation

Vor einigen Wochen habe ich in Hamburg die Indiecon besucht – eine Konferenz zum Thema Independent Magazine. Hinter der Indiecon verbirgt sich eine kleine feine Veranstaltung von und mit überzeugten Magazin Machern, deren Zines sich abseits des Mainstreams bewegen. Entsprechend spannend waren die Themen und Talks. Nachhaltig beeindruckt hat mich vor allem die Abschluss Key Note von Megan Le Masurier (University of Sydney) „Fast Media – Slow Magazines“, die ich als Plädoyer für Print Magazine mit tiefer gehenden, gut recherchierten Inhalten interpretiere. Solche Slow Magazines zeichnen sich unter anderem durch langfristige Berichterstattung, Haltung und Wertschätzung für Stories und Leser aus. Also der krasse Gegenentwurf zu Fast Media und Fake News.

Content & Clothes: Let’s take it slow

Hier eine Brücke zu Slow Fashion zu schlagen ist nicht wirklich abwegig, oder? Auch im Mode Sektor gibt es eine Gegenbewegung zum ständig an Tempo zunehmenden Fast Fashion Business. Absolut nachvollziehbar, denn die Taktung der Kollektionen steigert sich immer weiter: Resort, Cruise, PreFall, See Now Buy Now – das sind nur einige Zwischenkollektionen und Konzepte, mit denen viele Labels zusätzlich zu den regulären Frühjahr/Sommer und Herbst/Winter Kollektionen den Markt fluten.

fair_fashion_blog_greenlooksgreat_slowfashion_slow_reads_q_04Im Rahmen der vergangenen Ethical Fashion Show Berlin haben wir mit einigen Designern wie Tina Princ von Things I Miss gesprochen, die bewusst aus dem halbjährlichen Rhythmus der Kollektionsentwicklung ausbrechen. Ein Trend, den ich sehr begrüße. Als Kreative weiß ich aus eigener Erfahrung, dass Qualität einfach Zeit braucht: In der Ideenfindung, in der Entwicklung und in der Umsetzung. Aus diesen Gründen lässt sich gutes Design in der Regel kaum mit knappen Deadlines und Minimal Budgets vereinbaren. Umgekehrt spürt man und sieht es den Stücken an, wenn sie mit Bedacht kreiert und produziert wurden. Genauso verhält es sich mit gut recherchierten Storys. Gerade weil sie manchmal sperriger erscheinen und wirkliche Auseinandersetzung mit den Inhalten erfordern, haben sie eine nachhaltigere Wirkung als leicht konsumierbare, im ungünstigsten Fall zusammen kopierte Fast Read Häppchen. Deshalb möchte ich euch an dieser Stelle zwei Slow Magazines ans Herz legen:

Delayed Gratification

Definiert sich selbst als „The world’s first Slow Journalism magazine“: englischsprachige Print Publikation, die in jeder Ausgabe Nachrichten Ereignisse der letzten drei Monate beleuchtet – nachdem Fast Media Vertreter die Schauplätze des Geschehens schon längst verlassen haben

Reportagen

Der Name ist Programm: in deutscher Sprache erhältliches unabhängiges Magazin aus der Schweiz mit Reportagen von namhaften Autoren zum aktuellen Weltgeschehen, vor Ort recherchiert, digital und in gedruckter Form verfügbar

fair_fashion_blog_greenlooksgreat_slowfashion_slow_reads_q_02Slow Fashion Storytelling

Zugegeben – mein Outfit in diesem Post wirkt nicht sonderlich spektakulär. Aber jedes der Teile hat eine Geschichte. Besonders Kleid und Denim Bluse sind im Lauf der Jahre zu guten Freundinnen in meinem Schrank geworden. Letztere ist ein echtes 90er Babe von Miss Sixty. Ich habe sie vom schmalen Gehalt in meinem ersten Agenturjob gekauft – nur einer der Gründe, warum sie mit Sicherheit niemals in einer Altkleider Tüte landen wird. Glücklicherweise ist die Bluse für ein Fast Fashion Teil ganz gut verarbeitet und nach wie vor in tadellosem Zustand. Das war also tatsächlich eine nachhaltige Investition. Und vielleicht wird sie in ihren besten Jahren noch mal richtig hip? Gerade versucht die Marke ein Revival im deutschsprachigen Raum.

fair_fashion_blog_greenlooksgreat_slowfashion_slow_reads_q_03Auch das schwarze Kleid von Armedangels hat seit einigen Jahren einen sicheren Stammplatz in meinem Kleiderschrank. Ohne es damals zu wissen, war es mein allererster Eco Fashion Kauf. Überzeugt haben mich aber vor allem Design, Tragekomfort und die vielseitigen Kombinationsmöglichkeiten. Und so haben dieses Little Black Dress und ich schon einiges zusammen erlebt: Job Interviews, Vernissagen, Shootings, Mädelsabende, und vieles mehr …

Ich bin sehr glücklich mit meinen Slow Fashion Stücken, denn auf sie kann ich mich wirklich verlassen. Mit ihnen fühle ich mich sicher, selbstbewusst und auch für unangenehme Situationen gewappnet. Ein nach dem ersten Waschen ausgeleiertes, am Ende der Saison albern wirkendes McFashion Teil kann das nicht leisten. Deshalb – in Mode und Medien: Pls go slow!

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Style Summary
Denim Bluse: Miss Sixty // Denim // vintage
Little Black Dress: Armedangels
Tasche: Goodiebag von Moving Type Festival 2016
Plateausandaletten: Pepe Jeans London // sry, neither eco nor fair – but slowfashion, at least //
auch in diesem Post zu sehen
Nagellack: SANTE // Coral Pink // 5-Free

Fotos: Alexa Sommer / Eye take your picture

Make-up / Haare: Melanie Schaab

 

Rosi

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